„Der Tempel der Johannislehrlinge“

Hochwürdiger Meister, würdige und geliebte Brüder!

Mein lieber Bruder Friedrich,

herzlich willkommen im Bruderkreis unserer Johannisloge „Zum Goldnen Kreuz“. In diesem Jahr feiern wir unser Stiftungsfest in bescheidenem Rahmen, aber deshalb nicht weniger herzlich. Umso schöner ist es, dass wir diese Festarbeit mit Ihrer Aufnahme verbinden konnten! Durch meinen Vortrag möchte ich Ihnen die Besonderheiten der Freimaurerei näher bringen. In der gebotenen Kürze werde ich die Geschichte und die Grundlagen freimaurerischer Arbeit, insbesondere die Arbeitstafel des 1. Grades näher bringen.

Ein Stiftungsfest stellt für uns Brüder Freimauer einen Meilenstein irdischen Wandelns dar. Es ist die Zeit der Besinnung, in der Altes noch nicht vergangen, aber Neues noch nicht gegenwärtig ist. Wir besinnen uns in dieser Übergangszeit auf unsere freimaurerischen Quellen. Daher gehen unsere Gedanken zurück, als wir als wir selbst das freimaurerische Licht erblicken durften. Gemeinsam besinnen wir uns aber auch der Anfänge unserer ehrwürdigen Johannisloge „Zum Goldnen Kreuz“ und bedenken die Stiftung unseres Ordens, in dem sich – sollte ich sagen noch – die Johannislogen unserer Lehrart zusammengeschlossen haben.

Das Stiftungsfest symbolisiert den Übergang vom alten ins neue Maurerjahr. Symbolisch wurde das alte Jahr durch drei harte Schläge beendet. Wie ein altes Steingutgefäß, in dem die Zeit mit allen guten aber auch schweren Stunden gesammelt wurde, ist das vergangene Jahr zerschlagen worden. Wie Sand, der in einer mittelalterlichen Sanduhr zerrinnt, vergeht die Zeit. Wehmütig erkennen wir in dieser Allegorie die Vergänglichkeit allen Irdischen. Dereinst wird auch der „dreifach große Baumeister der Welt“ bestimmen, wann unsere Zeit abgelaufen ist!

Doch als Freimaurer resignieren wir nicht. Wie wir das neue Maurerjahr symbolisch begonnen haben, vertrauen wir darauf, dereinst zu anderer Arbeit abberufen zu werden. Von einer höheren guten Macht sind wir geborgen. Auch im irdischen Wechsel von Werden und Vergehen sind wir umsorgt. Daher sind wir guten Mutes! Bruder Goethe hat dies in einem bekannten Maurergedicht so ausgedrückt: „Denn so lang du das nicht hast, dieses Stirb und werde, bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde!“ Trübe Gäste wollen wir wahrlich nicht sein. Daher schauen wir voller Zuversicht in eine lichtere Zukunft.

Für diesen optimistischen Ausblick in die Zukunft gibt uns die Freimaurerei die notwendigen Werkzeuge in die Hand. Bevor ich Ihnen, lieber Br. Friedrich, dieses allegorische Arbeitsgerät vorstelle, sei es mir gestattet, auf das Wesen und die Grundlagen unserer Freimaurerei einzugehen.

Die moderne Freimaurerei ist ein Kind der Aufklärung, des „Siècle de la Lumière“ oder des Zeitalters des „Enlightenment“ – wie Franzosen und Engländer diese wichtige europäische Epoche bezeichnen. Das Zeitalter der Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts war geprägt durch die Säkularisierung und Abkehr von der absolutistischen hin zu einer demokratischen Staatsauffassung mit seinem Konzept der Menschen- und Bürgerrechte. Das „Siècle de la Lumière“ trat ein für vernunftgemäßes Denken, gegen Vorurteile und religiösen Aberglauben ein. Freimaurer haben in dieser Zeit des Umbruchs aus dieser liberalen Wurzel, aber auch aus älteren Quellen, wie der Tradition der mittelalterlichen Tempelritter oder den griechischen Mysterienbünden, unser Lehrgebäude auf den Erkenntnissen verschiedener philosophischer Lehren aufgebaut. Fragen über die Vernünftigkeit des Glaubens, der Religion oder der Toleranz und der Eigenverantwortung des Menschen waren für die Gründungsväter unserer Freimaurerei dabei von hohem Stellenwert.

Bestimmenden Einfluss auf das Lehrgebäude der Freimaurer hatte – neben den griechischen Philosophen – vor allem Immanuel Kant. Für ihn ist die „Aufklärung der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ Unmündigkeit war ihn das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet war diese Unmündigkeit deshalb, weil ihre Ursache nicht im Mangel an Verstandes lag, sondern weil der einzelne nicht den Mut aufbrachte, sich des Verstandes ohne die Leitung eines anderer zu bedienen. „Sapere aude!“, forderte er. „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Freimaurerei ist aber keine reine diesseitige Vernunftlehre. Freimaurer streben vielmehr ein ganzheitliches Weltbild an. Sie stellen auch die Frage nach dem Transzendenten. Vor kurzem wurde der Sozialphilosoph Jürgen Habermas mit dem Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen geehrt. Als Philosoph beschäftigte sich Habermas unter anderem mit der Frage nach dem Sinn und Zweck der Gesellschaft. Insbesondere beleuchtete er das Verhältnis zwischen dem Individuum zur Religion und zu Gott. In seiner Dankesrede für die Verleihung des Staatspreises sagte Habermas wörtlich:

„Die säkularen Bürger erkennen heute, dass sie es sich zu leicht gemacht hatten, als sie die religiösen Zeitgenossen als Exemplare einer aussterbenden Spezies und das Grundrecht auf freie Religionsausübung als eine Sorte Artenschutz betrachteten. Nunmehr drängen die Muslime den Christen die Begegnung mit einer konkurrierenden Glaubenswahrheit auf.“

Positiv an dieser Auseinandersetzung mit dem Islam findet Habermas den produktiven Wettstreit zwischen den Konfessionen, der sich in diesem Zusammenhang ergeben hat. So führe Papst Benedikt XVI. die Vernünftigkeit des katholischen Glaubens auf die Hellenisierung des Christentums zurück. Der evangelische Bischof Wolfgang Huber verweise hingegen auf die nachreformatorische Begegnung des Evangeliums mit den Gedanken von Kant und Kierkegaard. Im Ergebnis postuliert Habermas, dass die Verträglichkeit des Glaubens mit der Vernunft allen religiösen Bekenntnissen zugemutet werden kann und sogar eingefordert werden muss.

Diese Aussagen des Philosophen Habermas über Religion, Vernünftigkeit des Glaubens, Eigenverantwortung und Toleranz, basieren auch auf freimaurerischen Überzeugungen. Die Diskussion um diese kulturellen Werte ist auch heute noch im Zeitalter der Globalisierung und des Paradigmenwechsels genau so aktuell wie im 18. Jahrhundert, als im Jahre 1717 in London die ersten Großloge gegründet wurde.

Damals wie heute stellen wir Freimaurer dieselben Fragen:

 

  • Woher komme ich?
  • Wer bin ich?
  • Wohin gehe ich?

Vielleicht sind unsere Antworten anders, aber grundsätzlich sind dies Fragen, die die Menschheit seit jeher gestellt hat. Daher überrascht es nicht, dass dies auch die Leitfragen des Lehrlings-, Gesellen- und Meistergrades der Johannislogen sind. Die Antworten auf diese Fragen gibt uns die Lehre der Freimaurerei, wie sie in der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland praktiziert wird. Durch ihre Symbolik, das Ritual und die unterschiedlichen Erkenntnisstufen werden die Antworten auf diese Fragen gegeben.

Freimaurerei im Sinne unserer Lehrart setzt den Glauben an Gott, den wir als den „Großen Baumeister der ganzen Welt“ erkennen, voraus. Wir halten den Glauben an Gott auch für eine Forderung der Vernunft. Diese Erkenntnis wird dem Bruder Freimaurer in zehn Erkenntnisstufen vermittelt, die sich in drei Ordensabteilungen untergliedern. In Übereinstimmung mit den Erkenntnisstufen Platons sind dies die Stufen der Reinigung, der Erleuchtung und der Vereinigung mit dem Göttlichen.

Am Anfang dieses freimaurerischen Weges aber steht die Aufnahme. Aufnahme heißt in der freimaurerischen Symbolik: Beginn des Lebens. Der Beginn des Lebens ist die Geburt. Aufnahme ist daher im freimaurerischen Sinn eine Renaissance, eine Wiedergeburt. Symbolisch legt der Aufzunehmende sein bisheriges Leben ab, um selbst neu zu werden, sich zu verwandeln und seine bisherigen Grenzen zu überschreiten. Er öffnet sich dem Neuen – ohne es zu kennen – und wagt sich, die Pforte des Tempels zu durchschreiten. Diese Pforte erfüllt eine doppelte Funktion: sie trennt die profane Welt von der Loge. Sie weist aber auch denjenigen ab, der unwürdig erscheint. Nur den wahrhaft Suchenden lässt sie ein.

Welches aber sind nun die Regeln, denen sich der neu Aufgenommene unterwirft, auch wiederum ohne sie zu kennen? Für den Wissenden sind sie sichtbar. Diese Arbeitsgrundlagen ergeben sich aus der Arbeitstafel im Zentrum des Tempels. Hierbei handelt es sich um die Lehrlingstafel des 1. Grades, die eine Vielzahl allegorischer Figuren enthält, deren Bedeutung ich im Folgenden kurz darstellen möchte. An dieser Stelle bitte ich den Hochwürdigen Meister, den Bruder Zeremonienmeister aufzufordern, die allegorischen Zeichen mit seinem Degen anzuzeigen! Danke!

Die Arbeitstafel bildet die wichtigste Grundlage unserer freimaurerischen Arbeit im Johannis-Lehrlingsgrad. Sie ist viereckig und gleichseitig. Symbolisch beschreibt sie den ganzen Erdkreis. Der Grund der Tafel ist schwarz; die Figuren darauf sind weiß. Dies ist eine allegorische Umschreibung dafür, dass tiefschwarze Nacht unsere Arbeiten von allen Seiten umgibt. Sie schützt unsere Geheimnisse. Aber wenn dereinst die Zeit erfüllt sein wird, weicht die Finsternis der Ignoranz dem Lichte der Wahrheit. Der klare Schein dieses kommenden übernatürlichen Lichts verleiht unserer Arbeit bereits heute Weisheit, Stärke und Schönheit.

Ein Rahmen umschließt die allegorischen Figuren der Tafel. Zwar bestimmte uns der Große Baumeister der Welt nicht dazu, im Verborgenen zu arbeiten. Als sich aber Widerstand gegen unsere Lehre formierte und Treulosigkeit, Aberglaube und Gewalt Überhand nahmen, war Offenherzigkeit ein Fehler – Verschwiegenheit eine Tugend und die Vereinigung gegen den übermächtigen Feind eine Notwendigkeit. Diese Abschirmung von allem Profanen deutet der geschlossene Rahmen an. Die vier auf der Tafel eingezeichneten Himmelsrichtungen verweisen darauf, dass unsere Brüder über die ganze Welt verteilt leben.

Der fünfeckige Stern im Zentrum der Arbeitstafel, der aus seinen Winkeln Feuerflammen wirft, diente einst als Leuchte für den „mittelsten Raum des Tempels“. Er ist das Symbol für das heilige Feuer, das unentwegt im Tempel Salomos brannte. An ihm wurde das Licht angezündet, das die Vorhöfe des Tempels erleuchtete. Der Stern sagt uns, das „Licht der Vernunft“ möge alle unsere Handlungen erleuchten.

Innerhalb des Rahmens befindet sich im Osten ein ineinander verschlungenes und mit Fransen verziertes Seil. Es ist eine Darstellung des Seiles, das im Tempel Salomos den Vorhang vor dem Aller­heiligsten im „mittelsten Raume“ verschloss. Dieses Seil nennen wir das Vereinigungsband. Gleich wie dieses Band den Vor­hang des Tempels zusammenhielt, so vereinigt es nun alle Freimaurer, um sich gegenseitig zu unterstützen.

Neben dem Vereinigungsband ist auch der musivische Fußboden als Sinnbild aus dem Tempel Salomos entliehen. Der abwechselnd schwarze und weiße Fußboden deutet auf den ständigen Wechsel hin, dem wir als Menschen aber auch die ganze Natur unterliegt. Ein Freimaurer erträgt diesen manchmal schmerzlichen Wechsel mit Ergebenheit, Demut und Stärke. Für uns ist der musivische Fußboden auch eine Allegorie für die Wechselhaftigkeit des Schicksals, das wir bei der Suche nach dem Licht der Erkenntnis durchleben.

Mit dem Winkelmaß zwischen Sonne und Mond unterhalb des Vereinigungsbandes vermisst der Baumeister das Bauwerk. Das Winkelmaß ist der Maßstab mit dem auch dereinst „der dreifach große Baumeister“ die Arbeit eines jeden von uns prüft, nachmisst und auf ihre Rechtmäßigkeit hin bestimmt. Daher sollen wir uns allezeit eines winkelrechten Wandels befleißigen.

Ebenso wie das Winkelmaß sind Setzwaage und Senkblei unentbehrliche Werkzeuge des Baumeisters. Sie lehren uns, den Grund allen Handelns mit der Wasserwaage der Erfahrung zu ebnen und den Bau unseres inneren Tempels himmelwärts mit dem Senkblei des Schönen auszurichten. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind – also der Baugrund eben und der Tempel senkrecht steht – dann wird der „dreifach große Baumeister“ nach der Prüfung unserer Arbeit das Ergebnis in jeder Beziehung als rechtmäßig bewerten.

Das Reißbrett mit dem „X“ weist uns den Weg zur winkelgerechten Arbeit. Auf seine Bedeutung komme ich noch zu sprechen. Die eben genannten drei Werkzeuge – Winkelmaß, Wasserwaage und Senkblei – sich wegen ihrer grundlegenden Bedeutung auch die Amtszeichen für den Meister und die beiden Aufseher der Loge: Der Meister führt das Winkelmaß, der 1. Aufsehen die Setzwaage und der 2. Aufseher das Senkblei.

In der nord-östlichen Ecke der Arbeitstafel befindet sich der raue Stein. Er ist Gegenstand sorgfältigster Arbeit aller JohannisLehrlinge, die am rauen Stein arbeiten, um ihn zu einen vollkommenen Baustein zu machen. Als rauer Stein erinnert er uns an unsere üblen Neigungen, die wir ablegen wollen. Erst nachdem dieses Werk beendet ist, werden wir als lebendige Steine Teil des humanistischen „Tempelbaus der Menschheit“ werden können. Diese Arbeit ist schwer. Aber sie ist für denjenigen unerlässlich, der sich der Wahrheit zu nähern wünscht.

Der behauene oder kubische Stein auf der anderen Seite ist nach Winkelmaß, Setzwaage und Senkblei geebnet. Er dient unseren Gesellen und Meistern zum Schleifen ihrer Werk­zeuge. In dieser Idealgestalt des Bausteins, symbolisiert er unseren Obermeister, Jesus Christus.

Ich komme nun auf das bereits erwähnte Reißbrett zurück. Es befindet sich mitten unter dem flammenden Stern und dient den Meistern dazu, Entwürfe zur Ausführung des Baues zu machen. Kein Baumeister beginnt seine Arbeit, ohne zuvor eine Zeichnung seines Bauvorhabens gemacht zu haben. Das „X“ auf dem Brett kann in zweifacher Weise gedeutet werden. Einmal stellt es die römische Ziffer 10 dar; damit weist es auf die 10 Gebote des „großen Baumeisters“ hin. „X“ kann aber auch als griechischer Buchstabe „Cho“ gedeutet werden. Dann steht dieses „X“ für den Anfangsbuchstaben von Christus und besagt, dass wir durch die Beachtung seiner Lehre den Bau unseres inneren Tempels „winkelgerecht“ vollenden sollen.

Die Maurerkelle erinnert die Brüder daran, die Spalten und Risse des Herzens sorgfältig zu vermauern. Auch sollen sämtliche Öffnungen verschlossen werden, durch die Laster und Schwachheiten eindringen könnten. Ziel der Arbeit mit der Kelle ist es, das Herz so tugendhaft und rein zu machen, dass sich kein Bruder zu fürchten braucht, wenn er sein Herz einem anderen öffnet.

Das Symbol des Hammers ist ebenfalls ein Maurersymbol. Er ist das Zeichen der regierenden Gewalt in der Loge und steht dem Meister und den Aufsehern zu. Als Werkzeug bewirkt er Gehorsam, Stille und Aufmerk­samkeit. Wenn sein Schlag ertönt, ruft er zur Ordnung!

Der Zirkel soll alle Brüder an ihre Pflicht erinnern, sich zu prüfen und sämtliche Handlungen so zu bemessen, auf dass sie der Obermeisters dereinst mit dem Zirkel der Gnade als gerecht befinden möge. Die Sonne, die sich unter dem Vereinigungsband im Süden befindet und der Mond, ihr im Norden gegenüber, erinnern uns daran, bei Tag und Nacht über unsere Handlungen zu wachen. Ziel ist es, unsere Gedanken, Worte und Werke nur zur Ehre dessen einzusetzen, der Sonne und Mond geschaffen hat.

Die beiden Säulen im Westen der Arbeitstafel sind den beiden Säulen entlehnt, die am westlichen Eingang des Tempels Salomos standen. Die Säule auf der linken Seite trug den Buchstaben J, den ersten Buchstaben des Erkennungswortes, das den JohannisLehrling anvertraut ist. An dieser Säule erhielten die Brüder Lehrlinge nach beendeter Arbeit ihren Lohn.

Die Erklärung der Arbeitstafel schließe ich mit der Nennung der vier Meistertugenden. Es sind dies: Barmherzigkeit, Mäßigkeit, Vorsichtigkeit und Verschwiegenheit. Was sich im Einzelnen aus der Beachtung dieser Tugenden ergibt, wird Ihnen, lieber Br. Friedrich, in einer der kommenden Instruktionen – dies sind unsere Unterrichte – erklärt werden.

Über die Arbeit im 1. Grad, das Geheimnis der Freimaurerei und über unseren Weg möchte ich abschließend noch Folgendes sagen, weil es mir wichtig ist:

Schwerpunkt der Arbeit im 1. Grad ist die Verwandlung unseres kantigen „Ichs“, hin zu einem „ausgewogenen – Ich“ in Form des kubischen Steins. Mit Hilfe der symbolischen Werkzeuge versuchen wir Freimaurer uns in lebendige Steine für den „Tempel der Humanität“ zu verwandeln. Dies ist eine Aufgabe, die letztlich das gesamte Maurerleben umfasst. Dann wird auch er das freimaurerische Geheimnis durchleben.

Dieses sogenannte Geheimnis der Freimaurerei aber kann nicht mitgeteilt werden, weil es erlebt werden muss. Der Einzelne wird es erst nach und nach im Laufe einer Vielzahl von Tempelarbeiten erkennen. Das verständige Erleben des Rituals im Kreise der Bruderschaft macht einen wesentlichen Teil dieses Geheimnisses aus. Die innere Ruhe, die Stille des Tempels bedeuten nicht nur die Abwesenheit von Hektik und Lärm, sondern bilden ein Schweigen, das uns Augen und Ohren für eine andere – bessere – Welt öffnen.

Lieber Bruder Friedrich,

die Mitgliedschaft in einer Freimaurerloge ist ein Zeichen gegen die allgemeine Resignation. Wer von ganzem Herzen seinen Weg als Freimaurer sucht, der wird ihn finden. Dieser Weg aber ist kein Weg für alle; aber er ist unser Weg!

Gehen wir ihn also gemeinsam!

In diesem Sinne möchte ich mit Friedrich Schillers Worten enden:

„Immer strebe zum Ganzen,

und kannst du selber kein Ganzes werden,

als dienendes Glied

schließ an ein Ganzes dich an!“

Es geschehe also!